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Derblecken kann man auch mit Wein

25.08.2015

Beim Weinfest des Gartenbauvereins Unterstall/Attenfeld wurde den Gästen kräftig eingeschenkt – nicht nur in die Weingläser, sondern auch von der „Schnaxelreiter Feuerwehrkapell’n“, die in Derbleckmanier Seitenhiebe auf das Dorfleben, die Vereine und die Politik austeilte.

 

„Um die Leute vom Sofa zu locken, muss man sich heutzutage schon etwas Besonderes einfallen lassen“, sagte Vereinsvorsitzender Jürgen Dörfler bei der Ankündigung der Gruppe aus Großmehring, zu der auch drei Musiker aus Bergheim gehören und die deshalb bestens über das Dorfleben Bescheid wussten. Den ungewöhnlichen Namen brachte Frontmann und Feuerwehr-Kommandant Ludwig Koch ins Spiel. Der erzählte nämlich von seinem linken Daumen, der schnackelt, also im tiefen Dialekt auch „schnaxelt“ – und damit war der Name auch schon gefunden. Ludwig Koch war es auch, der zu Beginn die Zuhörer warnte: „Wir Schnaxelreiter sind recht hundsgemein.“ Das war die Gruppe freilich nicht immer. Bei Liedern wie „Gartler zu sein“ (nach der Melodie von „Griechischer Wein“) durfte auch mitgesungen werden. Das Stück „Ein kleiner Italiener“ zielte auf den Wirt Catizone Pancrazio der Schützengaststätte ab, der früher in seiner „La Pergola“ in Gerolfing den Seehofers Pizza und Grappa servierte – und jetzt den Unterstallern. Dort wird übrigens ein Mesner-Ehepaar gesucht, da sei „der Platz neben dem Petrus gleich mitgebucht“. Dass der Krieger- und Soldatenverein in Unterstall sein 90. Jubiläum erst gar nicht gefeiert hat, begründete Ludwig Koch so: „Die warten bis sie 100 werden. Dann werden sie im Derblecken kann man auch mit Wein - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine
 
Jenseits feiern und dort die Laudatio runterleiern.“ Der weitere Vers galt der 90-Jahr-Feier des Schützenvereins Bergheim. Die war laut Koch „sehr steril und das Bier schmeckte nach Pril“. Auch Attenfeld bekam sein Fett weg, indem es als „Bergheimer Kolchosen-Nest mit schwarzer Pest“ bezeichnet wurde. Das Dorf gibt es schon seit 800 Jahren, doch der Geburtstag wäre fast vergessen geworden. „Bergheims größter Reiz ist der Attenfelder Geiz“, sinnierte Koch.

Abgerundet haben die Musiker ihren Auftritt mit Stücken im Oberpfälzer Dialekt, wo von Preßsock, Schweinskopfsülze, Binsenlou und Reybouck die Rede war. Am Ende musste Ludwig Koch aber selbst dran glauben: „Das Beste ist bei uns’rem Alten: Beim Spielen hat er’s Maul zu halten!“, sangen seine Kollegen. Nach 45 Minuten verkündeten sie schließlich: „Wir packen jetzt unsere Scheesen und haun ab, des war’s gewesen.“


Aber für die rund 150 Gäste war noch lange nicht Schluss. Die feierten mit der örtlichen „Maibaummusi“ weiter und ließen sich noch das eine oder andere Glas der acht ausgewählten Weine schmecken.

 

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