Bewohnter Fahrbahnteiler
Unterstall (DK) Die „Oberpfalz ist abgebrannt“, drum kamen sie ins Donauland, um das Weinfest des Gartenbauvereins (GBV) Unterstall-Attenfeld zu beehren. Der rund 45-minütige Auftritt der Schnaxelreiter Feuerwehrkapelln war der absolute Höhepunkt des ohnehin stimmungsvollen Festes.
Acht Weine aus der Pfalz, Franken und Sizilien, vom halbtrockenen Landwein über den trockenen Rivaner Vulkanfelsen, der schon vom Namen her recht staubig klang, bis zum lieblich-fruchtigen Portugieser Weißherbst reichte die Palette der Weiß- und Rosé-Weine, dazu waren drei Rotweine im Angebot, neben zwei heimischen Dornfeldern auch ein trockener italienischer Monte Pietroso. Nicht zu vergessen die süffigen, selbstgemachten Liköre aus der Küche der Gartler um Vorsitzenden Jürgen Dörfler. Sie hatten Gesundes aus den heimischen Gärten zu flüssigen Köstlichkeiten verarbeitet und brachten die wenigen von der Ausstellung „Knackig, fruchtig, scharf“ im Haus um Moos verbliebenen Rezepthefte sowie noch etliche Likörflaschen unter die Weinfestbesucher.
Das süffige Angebot für die rund 120 Weinfestbesucher wurde nur noch von der abgebrannten Feuerwehrkapelle übertroffen. Rußverschmierte Gesichter, historische Uniformen und ein gelegentlich dämliches Geschau machen den Auftritt der neun Musikanten zum visuellen Erlebnis. Was sie dann noch zu Gehör brachten, war Kabarett vom Feinsten, ob gesungen oder von Frontmann Ludwig Koch erzählt. Der distanzierte sich erst mal von seinem Text: „Die nachfolgende Laudation stammt vom Veranstalter dieses Saufgelages und spiegelt nicht die Meinung dieser Kapelle wider“. Dann legte er mit einer Trauerrede los, von der er sich erst durch anhaltende und lauter werdende Proteste der Mitstreiter in seiner „desaströsen Blechkapelle“ abbringen ließ.
„Gartenbauverein!!!“, zischten sie ihm zu. Also schaltete Koch geschwind nach Unterstall um, in den Weiler, „einen bewohnten Fahrbahnteiler am neuen Flutauffanggelände an Ingolstadts westlichem Ende“, und riet dem „Traubensaftsüchtigem Publikum“, sich „Pfeiferei und Unterstaller Komantschen-Geschrei zu sparn“. Die Laudatio auf den Gartenbauverein gipfelte im Lied „Gartler zu sein“ nach der Melodie „Griechischer Wein“. Dann folgten Schlag auf Schlag saftige Spitzen – auf das im Wind zusammengekrachte Insektenhotel des Gartenbauvereins, den Baulöwen aus Neuburg, der sich demnächst nach Bergheim mit seinem Hauptfirmensitz flüchten will, was 1000 Arbeitsplätze, sprich Vollbeschäftigung, bringe und statt Dorfladen werde nun ein Supermarkt Pflicht. In Unterstall dagegen haben die Musikanten schon lange Vollbeschäftigung ausgemacht – beim Kränze bindenden Frauenkreis, den Landwirten, die alles in die Biogasanlage reinfahren, dem Kriegerverein, der sich aufs 100-Jährige vorbereitet, bei Holzrechtlern, Feuerwehr und Kirchenchor. Eine Runde schmiss der Wirt und durfte sich dann aus der ersten Reihe im Lied „Ein kleiner Italiener“ anhören, dass Pancratio von Kalabrien, Grappa und Oliven träume.
Attenfeld bekam sein Fett weg als „Kolchosennest mit Schwarzer Pest“, mit Attenfelder Geiz und beinahe vergessenem 800. Geburtstag. Mit dem Lied vom alten Kameraden, dem der Radetzkymarsch folgt, wurden die Unterstaller Krieger geneckt, die ihr 90-jähriges Jubiläum ausließen. Über Bürgermeister Tobias Gensberger war in Abwesenheit zu erfahren, dass die Bergheimer längst durchschaut haben, warum er nachts immer Licht brennen lässt – damit alle glauben, er arbeite noch. Dass die Schnaxelreiter so gut informiert waren, ist kein Wunder – die Insider-Texte stammen von Karl Trost, der wie die einzige Frau im Team, Renate Hörmann an der Tuba, in Unterstall daheim ist.
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